Suchen Sie schon vor der Geburt eine Kinderarztpraxis. Kostenlose U-Untersuchungen U1 bis U7a, Neugeborenen-Screenings und die tägliche Vitamin-D- und Fluorid-Tablette.
Wer betreut Sie und Ihr Baby?
- Hebamme: kommt in den ersten 10 Tagen täglich, danach bei Bedarf, bis Ihr Baby 12 Wochen alt ist (bei Stillfragen oder auf ärztliche Anordnung länger). Bezahlt von der gesetzlichen Krankenversicherung (§ 24d SGB V).
- Kinderarztpraxis: Der erste reguläre Termin ist meist die U3 mit 4–5 Wochen.
- Warnzeichen, nicht warten: Gehen Sie sofort zur Ärztin oder zum Arzt, wenn Ihr Neugeborenes schlecht trinkt, erbricht, Atemprobleme hat, blass oder bläulich aussieht, rote verklebte Augen, einen roten oder nässenden Nabel oder eine stark gelbe Haut hat.
Keine Kinderarztpraxis nimmt neue Patienten?
Fragen Sie schon in der Schwangerschaft bei Praxen an. Hat keine Platz:
- Rufen Sie die 116 117 an, nutzen Sie die App 116117 oder buchen Sie online. Mit gesetzlicher Versicherung vermittelt die Terminservicestelle auch Kinderarzttermine, ohne Überweisung und ohne Code (KBV).
- Die U-Untersuchungen zählen als planbare Termine: Die Servicestelle vermittelt sie innerhalb von 4 Wochen, ohne Code (Verbraucherzentrale). Buchen Sie früh, damit die Untersuchung noch in ihren Zeitraum fällt.
- Fragen Sie beim ersten Termin, ob die Praxis Ihr Baby dauerhaft aufnehmen kann.
- Die offizielle Arztsuche auf 116117.de kann Praxen nach Fremdsprachen filtern (KBV).
- Bis Sie eine Praxis haben, betreut Ihre Hebamme Ihr Baby in den ersten Wochen. Ist Ihr Baby krank und die Praxen sind zu, rufen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 an; im Notfall die 112.
Die U-Untersuchungen
Die U-Untersuchungen (Vorsorgeuntersuchungen) sind kostenlos und werden im Gelben Heft eingetragen. Halten Sie die Zeiträume ein (kindergesundheit-info, Kinder-Richtlinie des G-BA).
- U1 – direkt nach der Geburt: Atmung, Herzschlag, Hautfarbe, Reflexe.
- U2 – 3.–10. Tag: gründliche Untersuchung aller Organe, meist noch in der Klinik.
- U3 – 4.–5. Woche: Wachstum, Reflexe, Hören, Trinken, Hüft-Ultraschall, Impfberatung.
- U4 – 3.–4. Monat: Bewegung, Hüften, Augen und Hören.
- U5 – 6.–7. Monat: Motorik, Greifen, Hören und Sehen (auch Schielen).
- U6 – 10.–12. Monat: Sitzen, Krabbeln, Stehen, erste Wörter, Zähne.
- U7 – 21.–24. Monat: Sprache, Feinmotorik, Körperbeherrschung.
- U7a – 34.–36. Monat: Sprache, Verhalten, Allergien, Gewicht, Zähne.
Neugeborenen-Untersuchungen in den ersten Tagen
- Vitamin-K-Tropfen: bei U1, U2 und U3, um seltene, aber gefährliche Blutungen zu verhindern, denn Neugeborene haben sehr wenig Vitamin K.
- Hörtest: ein schneller, schmerzfreier Test, den jede Geburtsklinik anbietet. Frühe Erkennung ist wichtig, weil sich die Sprache ab der Geburt entwickelt.
- Pulsoxymetrie: Ein Lichtsensor am Fuß misst den Sauerstoff im Blut, um seltene kritische Herzfehler zu erkennen, am besten 24–48 Stunden nach der Geburt.
- Fersenblut-Test (erweitertes Neugeborenen-Screening): Ein paar Tropfen Blut vom 2.–3. Tag werden auf seltene Hormon-, Stoffwechsel- und genetische Erkrankungen untersucht, etwa Schilddrüsenunterfunktion, Mukoviszidose, spinale Muskelatrophie (SMA) und Sichelzellkrankheit. Ist das Ergebnis unauffällig, meldet sich niemand bei Ihnen (Kinder-Richtlinie des G-BA).
- Hüft-Ultraschall: bei der U3, um eine Hüftdysplasie zu erkennen (betrifft etwa 2–3 von 100 Babys).
Vitamin D, Fluorid und Jod
Ihre Kinderarztpraxis verschreibt diese Tabletten meist bei der U2 oder U3.
Vitamin D
Baby → Vitamin D → Starke Knochen
- Warum: baut starke Knochen auf und beugt Rachitis vor.
- Nicht in Milch oder Nahrung: Muttermilch, Säuglingsnahrung und Beikost liefern nicht genug.
- Sonne reicht nicht: Von November bis Februar ist die Sonne in Deutschland zu schwach; Sonne durchs Fenster hilft nicht.
- Wie viel: täglich eine Tablette mit 400–500 I.E., meist ab etwa dem 8. Tag.
- Bis wann: bis zum ersten Geburtstag; bei Babys, die im Herbst oder Winter geboren sind, bis zum folgenden Frühjahr (Gesund ins Leben).
Fluorid und die ersten Zähne
Fluorid stärkt den Zahnschmelz und schützt vor Karies. Seit 2021 haben Kinderärzte, Zahnärzte und Hebammen eine gemeinsame Empfehlung:
- Bis zum ersten Zahn: täglich eine Kombitablette mit Vitamin D und 0,25 mg Fluorid.
- Vom ersten Zahn bis 1 Jahr wählen Sie eine Möglichkeit:
- Bei der Kombitablette bleiben und ohne Zahnpasta oder mit fluoridfreier Zahnpasta putzen, oder
- auf eine Vitamin-D-Tablette ohne Fluorid wechseln und bis zu zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid putzen.
Auch wenn Ihr Kind diese kleine Menge verschluckt, bleibt sie im sicheren Bereich (Gesund ins Leben). Beim Putzen geht es vor allem darum, Beläge zu entfernen; putzen Sie nicht direkt nach dem Essen.
Fluorid in Wasser und Salz
Verwenden Sie zu Hause fluoridiertes Speisesalz. In wenigen Regionen enthält das Leitungswasser mehr Fluorid (über 0,3 mg/l): Bereiten Sie damit Fläschchen zu, geben Sie Vitamin D ohne Fluorid. Ihr Wasserversorger nennt Ihnen den Wert.
Jod
Jod braucht die Schilddrüse, und es ist wichtig für gesundes Wachstum und Entwicklung. Säuglingsnahrung enthält schon genug. Gestillte Babys bekommen Jod über die Muttermilch, die Mutter braucht also genug (siehe Stillen). Achten Sie bei Gläschen auf Sorten mit Jodzusatz (Gesund ins Leben).
Stuhlfarbe
Halten Sie in den ersten Wochen die Stuhlfarbkarte aus dem Gelben Heft (7 nummerierte Farbtöne) bei Tageslicht neben die Windel.
- Normal
- Innerhalb von 24 Stunden zum Arzt
- Sehr heller, weißlicher oder lehmfarbener Stuhl: Farbe 5, 6 oder 7 auf der Karte
- Das kann ein Zeichen einer seltenen Lebererkrankung (Gallengangsatresie) sein, die in den ersten Wochen behandelt werden muss
Zur Karte: Gelbes Heft, Seite 15 (G-BA, PDF) · Hintergrund: G-BA zur Stuhlfarbkarte.
Spucken
- Normal
- Kleine Mengen Milch nach dem Trinken
- Ihr Baby nimmt zu und wirkt zufrieden
- Bald zum Kinderarzt
- Schwallartiges Erbrechen, besonders in den ersten 3 Monaten
- Keine Gewichtszunahme
- Schreit viel und lässt sich nicht beruhigen, oder scheint beim Trinken Schmerzen zu haben
- Ungewöhnlich schläfrig, schlapp oder blass
- Deutlich weniger nasse Windeln
- Grüne (Galle) oder blutige Milch
- Dringend: 116 117 oder 112
- Sehr schläfrig
- Zeichen von Austrocknung: trockener Mund, wenige nasse Windeln
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117; im Notfall 112
Mehr: Kinderärzte im Netz: Spucken · Kinderärzte im Netz: Erbrechen.
Quellen
Offizielle deutsche Quellen.